Die Situation
Die zweite ärztliche Meinung ist ein Patientenrecht, verankert im ärztlichen Standesrecht. Sie wird von den Fachgesellschaften für jede schwere Diagnose, jede nicht dringende Operation und jede seltene Krankheit empfohlen.
In der Praxis wird sie kaum genutzt, weil das Übermitteln der eigenen Akte an einen zweiten Spezialisten ein Spiessrutenlauf ist: Befunde beim Arzt holen, MRT im DICOM-Format in der Klinik, Blutwerte im Labor, Vorgeschichte beim Hausarzt. Rechnen Sie mit 2 bis 4 Wochen.
Wenn jede Woche zählt (Onkologie, fortschreitende Autoimmunerkrankung), wirkt diese Frist abschreckend. Viele Patientinnen und Patienten verzichten aus administrativer Erschöpfung auf die Zweitmeinung.
Zahl. Laut ONIAM verändert eine Zweitmeinung in fast 20 % der komplexen Diagnosefälle das ursprüngliche Protokoll erheblich.